Nr. 3, 2. Februar 2001

Krankenkassenprämien und Kostenexplosion im Gesundheitswesen
Bleiben Sie bloss gesund!
Von Ernst Tschanz

«Gute Besserung!» Das kann man heutzutage vielleicht noch zu jemandem sagen, der einen kleinen Schnupfen beziehungsweise eine leichte Grippe hat oder dem es ab und zu ein wenig im Oberstübli fehlt. Bei richtigen Krankheiten muss es heissen «Gute Krankenkasse» oder noch zutreffender «Gutes Bankkonto». Vor allem, wenn einen das Schicksal ins Spital schickt, was Sankt Prämius verhüten möge.

«Ist der Kranke genesen, bezahlt er nur ungern die Spesen», so sagt ein Sprichwort. Ja, wenn da nur von Spesen die Rede wäre. Aber gehen Sie einmal in ein Spital. Die «Spesen» beginnen bereits vor dem Gebäude, wo man für das Parkieren des Autos mindestens einen Zweifränkler blechen muss, damit man nur den Koffer ausladen kann. Und wenn uns nach dem Durchschreiten der Eingangspforte per Zufall eine Putzfrau freundlich anlächelt, dann wird dafür in der Buchhaltungsabteilung des Spitals eine zweistellige Zahl auf unsere Rechnung in den Computer getöggelet. Eine Krankenschwester um ein Glas Kräutertee zu bitten, das kostet in einem durchschnittlichen schweizerischen Spital so viel, dass es - sofern man selber noch ledig und die Krankenschwester zu haben ist - vermutlich billiger käme, der Dame gleich einen Heiratsantrag zu machen, um sich von ihr zu Hause pflegen zu lassen. Doch wehe, wenn ein Arzt an unser Spitalbett kommt und fragt: «Wie geht es Ihnen heute?» Dieser Besuch hat eine Töggelerei in den Rechnungscomputer in dreistelliger Zahl zur Folge.

Und erst der Operationssaal sowie alles, was mit ihm zusammenhängt. Schrecklich! (Nebenbei bemerkt, es würde mich nicht wundern, wenn die Redaktion der «Schweizerzeit» jetzt eine Rechnung zugeschickt bekäme, nur weil in diesem Text das Wort «Operationssaal» vorkommt). Also, der Opera- tionssaal, das ist in den heutigen Spitälern ein so teurer Raum, dass sich dort nur noch Multimillionäre guten Gewissens als Kunden aufhalten können.

Gewöhnliche Leute wie Sie und ich müssen weniger wegen des ärztlichen Eingriffs, als viel mehr wegen der zu erwartenden Rechnung für die Benützung des Operationssaal schlottern wie ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat während des Auszählens der Wahlzettel. Demnächst werden grimmige Spitaldirektoren vermutlich verlangen, dass beim Operationsteam noch ein Vertreter der Krankenkasse steht, und in den Privatspitälern zusätzlich ein Bankbeamter oder überhaupt gerade die Frau Dreifuss... das alles zwecks Garantie für die Bezahlung unserer Operationszeche. Bei kleineren Eingriffen wird im Operationssaal gut sichtbar ein Schild aufgehängt mit dem Text «EC-Checks werden akzeptiert» oder «Reparaturen nur gegen bar», und neben dem Operationstisch wird eine Parkuhr aufgestellt.

Um gesund zu werden, sind bei dem heutigen hohen Standard der Spitäler eigentlich nur drei Dinge nötig: Geld, Geld und nochmals Geld! Ohne Geld ist sogar die Gesundheit eine Krankheit. Und wenn das mit der Kostensteigerung so weiter geht, dann schlage ich vor, dass die Krankenkassen neben den Prämienkategorien von Privat, Halbprivat und Allgemein noch eine speziell günstige Kategorie einführen: Tierspital... Nachdem Sie nun diese Epistel gelesen haben, könnte ich mir vorstellen, dass Sie etwas zu mir sagen möchten, nämlich: «Gute Besserung». Danke!

Ernst Tschanz