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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 26.
Januar 2007
Die Schweiger von Bülach
Nun schlägt
also auch Google seinen Europa-Sitz in Zürich auf. Als längst nicht
erster US-Weltkonzern. Die Schweiz ist inzwischen zum bevorzugten Standort
für Europa-Niederlassungen amerikanischer Weltkonzerne geworden. Diese
investieren - was nur wenige wissen - in der kleinen Schweiz allein heute
deutlich mehr als in Deutschland, in Frankreich und in Italien zusammengenommen.
Gemäss US-Angaben sollen in den in der Schweiz domizilierten Niederlassungen
von US-Konzernen inzwischen weit über hunderttausend Personen arbeiten
- zumeist in überdurchschnittlich entlöhnten Positionen.
Erhält man je Gelegenheit, amerikanische Konzernverantwortliche zu befragen, weshalb sie denn die Schweiz als Europa-Standort ihrer Unternehmen so offensichtlich bevorzugen, so erhält man sehr klare Antworten - und fast immer gleichlautende: An erster Stelle wird die Steuersituation in der Schweiz gelobt. Diese sei weit besser als jene in den die Schweiz umgebenden EU-Ländern. Zweitens ist für Amerikaner ausschlaggebend, dass die Schweiz nicht eingebunden ist in die lähmende, von Brüssel ausgehende EU-Überregulierung. Die Unabhängigkeit, die Nichtmitgliedschaft der Schweiz bei der EU wird da ausdrücklich als wesentlicher Standort-Trumpf unseres Landes in Europa gepriesen.
Und dann kann man sich von seinerzeit hochgelobten Wirtschaftskoryphäen, die nach der von ihnen mitverschuldeten Swissair-Pleite jetzt plötzlich Angeklagte sind, Klagen anhören: Das Nein zum EWR, nicht etwa die masslose Hunter-Strategie, habe den Niedergang der Swissair verursacht. Derweil investieren Amerikaner hier Milliarden, schaffen Zehntausende hochqualifizierter Arbeitsplätze - ausdrücklich aufgrund der schweizerischen Unabhängigkeit gegenüber Brüssel. Und da wollen sich die Verantwortlichen des Swissair-Debakels herauszureden versuchen mit dem EWR-Nein des Schweizervolks? Man bekommt angesichts der Kläglichkeit dieser Ausrede schon fast Verständnis dafür, dass verschiedene Angeklagte zu Bülach sich lieber in stundenlanges Schweigen hüllen
Alarmierend ist nur, dass
selbst zu Bundesbern noch ein paar Unverbesserliche - wenn auch immer weniger
- die wehmütige Brüssel-Hymne mitsingen. Das ist derart realitätsblind,
dass man den Klagenden fast raten möchte, sich doch ein Beispiel zu nehmen
an den betreten Schweigenden zu Bülach.
Ulrich Schlüer