Nr. 02, 30. Januar 2004
Verkehrsinfrastrukturen
bedarfsgerecht ausbauen
Ja zum Gegenentwurf zur Avanti-Initiative
Von Ständerat Carlo
Schmid, Oberegg AI
Auf sichere und leistungsfähige Infrastrukturen für
unseren Verkehr sind wir dringend angewiesen. Eine gesunde Wirtschaft hängt
von einem leistungsfähigen Verkehrssystem ab. Mit andern Worten: Wirtschaftswachstum
lässt sich vom Verkehr nicht entkoppeln. Das zeigt uns die Geschichte.
Immer ist Aufschwung direkt mit Mobilität verbunden gewesen. Wir wollen
aber nicht Verkehr auf Gedeih und Verderb. Was wir wollen, ist ein System,
das uns erlaubt, den berechtigten Anspruch unserer Gesellschaft auf Transport
so reibungslos und so umweltfreundlich wie möglich abzuwickeln. In diesem
Land gilt das Grundrecht der persönlichen Freiheit. Jeder Mensch hat
in diesem Staat das Recht, sich frei zu bewegen. Zudem ist über das Landverkehrsabkommen
zwischen der Schweiz und der EU die freie Wahl des Verkehrsmittels verbindlich
festgelegt.
Der Nutzverkehr bemisst sich ohnehin nach streng ökonomischen Kriterien
und findet nur statt, wenn die Nachfrage da ist, wenn ein Auftrag der Wirtschaft
vorliegt. Aber auch unser Tourismus darf den Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen
auf der Schiene und auf der Strasse verlangen. In der Schweiz verkehren gegen
sechstausend Gesellschaftswagen als kollektive Verkehrsmittel, in denen Fahrgäste
sicher, umweltfreundlich und bequem nach ihrem Wunsch befördert werden.
Übrigens, und ohne die Bedeutung und die Berechtigung des Individualverkehrs
abwerten zu wollen: Ein einziger Reisecar ersetzt von der Transportkapazität
her etwa fünfundzwanzig Personenwagen.
Verlust durch Stau-Stunden
Schon heute leiden Automobilisten und Berufschauffeure unter einem teils stark
überlasteten Strassennetz. Stau ist gefährlich teuer und sinnlos.
Total werden in der Schweiz auf Autobahnen und Hauptstrassen rund 2,5 Millionen
Fahrzeug-Staustunden registriert. Die volkswirtschaftlichen Verluste, die
dadurch entstehen, werden auf bis zu 2,2 Milliarden Franken jährlich
geschätzt (Studie Zürcher Hochschule Winterthur «StauVerkehr»,
veröffentlicht 8. 8. 2003). Dabei haben wir aktuell man muss das
leider sagen eine schwache Konjunktur. Zieht die Wirtschaft wieder an,
so genügen die bestehenden Infrastrukturen erst recht nicht mehr.
Nichtstun bedeutet Chaos
Alle namhaften Experten rechnen in Zukunft mit mehr Verkehr. Die jährliche
Güterverkehrsleistung in Tonnenkilometern dürfte von heute etwas
über dreissig auf über fünfzig Milliarden im Jahr 2015 steigen;
und in bezug auf die Personenkilometer wird über die gleiche Periode
ein Anstieg von 100 auf knapp 120 Milliarden Franken prognostiziert (ProgTrans
AG, European Transport Report 2002). Wir kommen also nicht darum herum, unsere
Verkehrsinfrastrukturen bedarfsgerecht auszubauen. Nichtstun würde bedeuten,
das Chaos abzuwarten. Mit einem Ja zum Gegenentwurf zur Avanti-lnitiative
stellen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 8. Februar 2004
den bedarfsgerechten Ausbau der Verkehrsinfrastrukturen von Strasse und Schiene
sicher, und dies ohne neue Steuern.
Carlo Schmid, Ständerat