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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 18. Januar 2002

Wenn dem SonntagsBlick alle Argumente ausgehen
Eintopf für die Schweiz

Bis hinauf zum Aussenminister erweisen sich ihre Argumente ­ jene der Uno-Beitrittsbefür- worter nämlich ­ als erschreckend schwachbrüstig. Sobald sie nicht mehr mit pauschaler «Weltoffenheit» salbadern können, geraten sie buchstäblich ins Schleudern.

Im Bundeshaus, alarmiert von aufgeschreckten Berichterstattern erster Streitgespräche, macht sich ernste Sorge, ja Panik breit. Hilfe muss her! Und, wie fast immer: Man findet sie bei jenem Herrn, der plebsentrückt in der Nobelsuite zuoberst im Berner Bellevue Hof zu halten pflegt. Von dort inszeniert der Generalissimus aller Ringier-Schreibtischtäter, Frank August Meyer, die zur Chefsache erklärte Gegen- strategie gegen Blocher. Als erstes pfeift er den Mann fürs Unappetitliche her, Henry Habegger. Denn keiner geht beim Geschichtenerfinden für den «SonntagsBlick» biegsamer mit Fakten und Wahrheiten um.

Um die Bauchlandungen der Uno-Befürworter in den öffentlichen Diskussionen vergessen zu lassen, ist Habegger um süffig aufbereitete, meist frei erfundene Unterstellungen nie verlegen. Dass er Uno-Gegner generell und von vorneherein als «Pöbel» diffamiert, ist dabei erst Pflichtprogramm. Eher zur Kür gehört sein Versuch, jemanden, den er ­ nicht minder frei erfunden ­ vierzehn Tage zuvor noch als mit Blocher heillos verkracht hingestellt hat, plötzlich als dessen engsten Mitdrahtzieher bei der Pöbel-Mobilisierung auftreten zu lassen. Erhascht Veranstaltungsbesucher Henry Habegger dann noch das Bild eines ver- dienten ­ wohl schon deswegen von Habegger eher gehassten ­ Offiziers auf dem Titelblatt einer irgend- wo aufliegenden Broschüre, dann ist Peter Regli bereits der dritte Verschwörer im finsteren, Pöbel mobilisierenden Dreibund ­ obwohl Regli im Uno-Abstimmungskampf überhaupt nirgends auftritt. Und selbstredend kann Habegger auch irgendwelche «Informations-Zuträger» (über ihre Namen breitet er dem Stil seines Blattes gemäss den Mantel der Diskretion, sonst käme es noch jemandem in den Sinn, die SoBli-Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen) auftreten lassen mit der Behauptung, achtzig Prozent der Teilnehmer an Blochers Veranstaltungen würden von einer Car-Flottille aus der ganzen Schweiz herangekarrt.

Man könnte ­ voller Mitleid, dass die Uno-Befürworter auf derartigen Mist angewiesen sind ­ achsel- zuckend über Habeggers Sumpfblüten hinwegsehen. Wüsste man nicht, dass jener Küche, die solchen Schlamm produziert, jetzt auch noch die «Weltwoche» einverleibt wird. Eintopf, meint Ringiers Genera- lissimus, bekommt dem Schweizer Publikum besser ­ solange er von Ringier zubereitet werden darf. Auch weil er weiss, dass er als Chef der Eintopf-Zubereiterequipe von (fast) jedem im Bundeshaus über alles geliebt und täglich gehätschelt wird.

Ulrich Schlüer

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