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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 21. Januar 2000

Fragwürdige Aktivitäten der Swisscoy in Kosovo
Abfallsammler

Das Bild erschien in einer Informationsbroschüre, die vom Bund - genauer: vom Departement für Auswärtige Angelegenheiten - herausgegeben wird. Im Heft «Schweiz global», Ausgabe 1/2000, findet es sich auf Seite 19. Es zeigt Schweizer Soldaten - genannt Swisscoys - im Einsatz. Ihre Aufgabe: Sie sammeln und beseitigen Abfall in Kosovo. Sie stehen inmitten einer wüsten Unrathalde, die sie - laut Legende - in Ordnung zu bringen haben. Ein «Friedens- auftrag», zugeschnitten auf die Swisscoys.

Derweil gibt es in Kosovo noch immer Zehntausende, die keiner geregelten Arbeit nachgehen können. Denen somit ein sicheres Einkommen fehlt, die also als «arbeitslos» gelten. Aber Schweizer Soldaten haben deren Abfall zu beseitigen. Und auch in der Schweiz sitzen noch immer Zehntausende zumeist junger, arbeitsfähiger, als «Gewaltflüchtlinge» vor Monaten in unser Land gelangter Kosovo-Albaner tatenlos herum - ihre Rückkehr in den Kosovo, trotz dort befriedeter Situation, immer wieder hinaus- schiebend. Es habe, meinen an dieser Situation nicht unbedingt schlecht mitverdienende hiesige Hilfswerkmitarbeiter, in Kosovo keine Arbeit für sie; sie wären arbeitslos. Aber Schweizer Soldaten werden dort als Abfallsammler und -sortierer eingesetzt.

In Kosovo sind auch Mitarbeiter des Schweizer Katastrophenhilfekorps (SKH) tätig. Äusserst erfolgreich! Dies vor allem deshalb, weil sie ein bewährtes Einsatzkonzept befolgen - das freilich haargenau das Gegenteil anstrebt von dem, was die vom Verteidigungsministerium nach Kosovo entsandten Swisscoy- Soldaten tun. Die SKH-Leute erachten sich nur für die Logistik - vor allem für den Materialnachschub - des Wiederaufbaus als zuständig. Alle handwerklichen Arbeiten - Maurer-, Zimmer-, Schlosser-, Elek- troarbeiten - haben die Kosovo-Albaner selber zu bewältigen. Es hat in Kosovo mehr als genug Baufach- leute, bis hin zu Bauführern. Es wäre, sagen die SKH-Leute zu Recht, völlig sinnlos, arbeits- fähige Kosovaris herumstehen oder in der Schweiz als Flüchtlinge herumsitzen zu lassen und an ihrer Stelle Schweizer in Kosovo zu beschäftigen.

Aber das Verteidigungsdepartement, auf Profilsuche für seine Swisscoys, macht das Gegenteil. Damit man vor laufenden Kameras «Gutes tun» kann, ob dies nun sinnvoll ist oder nicht. Schliesslich steht ein Abstimmungskampf - jener um die vom Bundesrat unbedingt gewollten bewaffneten Militäreinsätze im Ausland - in Aussicht. Da geht wohlinszenierte Publizität vor, selbst wenn damit die Rückführung der Kosovo-Albaner zu Lasten der Schweiz erneut verzögert wird.

Solches lässt das Bundeshaus kalt, auch wenn uns diese Widersprüchlichkeiten und Fehler Milliarden kosten. Für Milliardenkosten ist schliesslich der Steuerzahler zuständig.

Ulrich Schlüer

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