Nr. 2, 21. Januar 2000

Den Werbern auf den Leim gekrochen

Kaffeemaschine, Staubsauger, Kreuzfahrt für zwei Personen, Fernsehapparat, 30 Flaschen Wein (vom besseren und nicht so Chuttlerugger), Sportbekleidung, Gartengrill, Zeitschriften- abonnement, «Bettinhalt» (natürlich Bettwäsche und nicht eine Dame, Sie Lüstling), Raclett- eofen, Velo, Auto, Werkzeugkasten, Warengutschein. Hübsche Aufzählung, nicht wahr?

Das alles habe ich im vergangenen Jahr 1999 erwartet, bekommen habe ich davon: nichts! So haben mich ein paar Schlaumeier aus dem Werbesektor verseck..., pardon, mir den Speck durch das Maul gezogen. Zudem hat mich die ganze Eskapade noch Geld gekostet, und zwar genau 9 Franken und 80 Rappen. Sie denken jetzt vielleicht, ich hätte irgendwelche Lose gekauft und nichts gewonnen. Nein, es ist nicht mein Stil, Papierfötzeli mit aufgedruckten Nummern zu kaufen und dann ohne jede Leistung etwas einsacken zu wollen. Ich gehöre zu jenen Menschen, die sich das Leben etwas saurer machen, als es sein müsste. Um an alle die schönen Sachen heranzukommen, habe ich nämlich während des ganzen Jahres 1999 genau vierzehn verschiedene Preiskreuzworträtsel ausgefüllt. Man musste jeweils auf einer Postkarte das «aus dem Rätsel sich ergebende Lösungswort» sowie natürlich die eigene Adresse aufschreiben, und schon sei man potentieller Gewinner.

Schön wäre es gewesen, einmal potenter, statt immer nur potentieller Gewinner zu sein, doch da kann ich warten, bis mir Schneewittchen einen Heiratsantrag macht. Rechnen Sie jetzt bitte selber nach, was mich die vierzehn Postkarten zu 70 Rappen gekostet haben. Falls Ihr Taschenrechner anständig funk- tioniert, dann müssten Sie eigentlich auf den Betrag von 9 Franken und 80 Rappen kommen, die ich sinnlos vertünterlet habe. Nicht zu reden von der aufgewendeten Zeit zum Lösen der Kreuzworträtsel mit all den läppischen und gescheiten Fragen, wie etwa «Freiheitsheld, vier Buchstaben,der erste ein T, der letzte ein L» oder «Globetrotter, neun Buchstaben, die ersten drei B, U und N, die letzten drei RAT», und so weiter. Das Ärgerlichste ist hingegen, dass ich in aller Einfalt meine Adresse den Werbern bekanntgegeben habe und ihnen damit auf den Leim gekrochen bin. Die klopfen sich jetzt vor Lachen auf den Bauch und haben mich zweifellos bereits in ein paar Dutzend Computern gespeichert zwecks Zusendung von Werbematerial, Bettelbriefen, Warenangeboten aller Art und Unart, oder von Prospekten mit weiteren Preiskreuzworträtseln. Ja, so wird man im Leben am Seil heruntergelassen. Es ist halt schon so, wenn man uns etwas verspricht, haben wir plötzlich ein Brett vor dem Grind, und solche Bretter gibt es leider mehr als genug. Dazu wäre der Orkan «Lothar» als Lieferant gar nicht erst nötig gewesen...

Indessen, wer zuletzt lacht, tut es bekanntlich am besten. Ich habe für das laufende Jahr einen guten Vorsatz gefasst und lebe seit einigen Wochen ausgezeichnet damit: Es wird kein einziges Preiskreuz- worträtsel mehr ausgefüllt, geschweige denn das Lösungswort und schon gar nicht die Adresse irgend- wem zugeschickt. Damit spare ich bis Ende 2000 die Summe von 9 Franken und 80 Rappen, muss mich vierzehnmal weniger verschaukelt fühlen, überlasse grosszügig die eingangs aufgezählten Sachen jenen Leuten, die immer noch so naiv sind, wie unsereiner einst war, und darf schliesslich wieder einmal völlig gratis über mich selber lachen. Machen Sie's nach!

Ernst Tschanz