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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 11.
Januar 2008
Bundesrätin Widmer-Schlumpf zeigt ihre Handschrift
Säuberung
Die Neue
ist seit ein paar Tagen im Amt. Und sie hat ihre Handschrift bereits sichtbar
werden lassen.
Erste Amtshandlung von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf: Sie hat jene durch ihre Kompetenz bestens ausgewiesene Kernmannschaft umgehend in die Wüste geschickt, welche die Vorgabe Christoph Blochers zielgenau umgesetzt hatte, wonach im Justiz- und Polizeidepartement eine volle Viertelmilliarde Franken an jährlichem Personal- und Administrativ-Aufwand einzusparen sei, ohne dass Leistungen des Departements abgebaut würden. Das Hauptverdienst am Gelingen dieses Auftrags kommt dem EJPD-Generalsekretär Walter Eberle zugute, den Blocher aus seiner früheren Firma in die Bundesverwaltung geholt hatte.
Frau Widmer-Schlumpf hat Eberle an ihrem ersten Arbeitstag in Bern buchstäblich und auf schnöde Art "zum Teufel gejagt": Obwohl Büro an Büro arbeitend, liess sie diesem Mann von grossen Verdiensten den Befehl zur sofortigen Büro-Räumung von einer Sekretärin überbringen - den persönlichen Augenkontakt offensichtlich scheuend. Und auch Generalsekretär Eberles Stellvertreter und enger Mitarbeiter bekam den Abschied. Mit anderem Arbeitsvertrag ausgestattet, konnte sie diesen zwar nicht gleich aus der Bundesverwaltung verjagen. Doch seiner Funktion hat sie ihn Knall auf Fall enthoben. Ohne Anhörung.
Was Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf da vorgenommen hat, nennt man Säuberung. Säuberung im Dienste von Berns Funktionärskaste. Diese konnte die Aussage, wonach es gelungen sei, den Apparat des Departements um eine volle Viertelmilliarde zu straffen, ohne dass irgend welcher Leistungsabbau sichtbar geworden wäre, nicht anders denn als Kriegserklärung auffassen - wurde aus dieser die Steuerzahler markant entlastenden Erfolgsmeldung doch auch klar, dass die Leistungsbereitschaft in diesem Departement in der Zeit vor Blocher irgendwie beschränkt gewesen sein musste
Dass Berns Funktionäre nicht ruhen würden, bis jene Persönlichkeiten aus der Verwaltung vertrieben sind, die Blochers Straffungs-Anweisung so trefflich durchgesetzt hatten, musste erwartet werden. Dass sich Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf vom ersten Tag an als Werkzeug solcher Funktionärsrache hergeben würde, verwundert schon eher.
Eveline Widmer-Schlumpf
weiss offenbar nur zu gut, wem sie ihr hohes Amt zu Bern zu verdanken hat.
Ulrich Schlüer