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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 12. Januar 2007

Durch die Wand?

Der Nationalrat hat im vergangenen Herbst den sog. "Entwicklungsschritt 08/11" der Schweizer Armee deutlich verworfen. Das Parlament akzeptiert nicht, dass der primäre Armee-Auftrag, Land und Leute zu verteidigen, auf sog. "Aufwuchs-Modelle" reduziert wird, die als gedachte Möglichkeiten zwar noch in Computer-Programmen abgespeichert bleiben, für die die Armee aber weder ausgebildet noch ausgerüstet wird.

Das Parlament akzeptiert auch keine Rollenteilung in der Armee: Hier ein maximal ausgerüsteter kleiner Kern für den Kampf, dort die grosse Masse, die nur noch für Bewachungsaufgaben als tauglich erachtet wird. Denn klar ist: Der Soldat, der den Kampfauftrag erfüllt, der erfüllt auch den Bewachungsauftrag. Die Aufsplitterung der Armee in eine kämpfende Elite und eine stumpf bewachende grosse Masse ist völlig deplatziert.

Von den Erfindern dieses untauglichen Modells zwar nicht gesagt, dafür um so eifriger beabsichtigt ist, die kleine Kampf-Elite vor allem im Ausland, also international einzusetzen, auf dass sie die Chance erhalte, endlich auch "einmal Pulverdampf einatmen" zu dürfen.

Wie reagiert die Armee-Spitze auf den klaren Nationalrats-Entscheid vom letzten Herbst? Der Chef der Armee verbreitet in Neujahrs-Briefen Durchhalteparolen: Der Entwicklungsschritt 08/11 müsse, schreibt er, "aus militärischer Sicht in seiner Substanz realisiert werden". Das ist seine Antwort auf den klaren politischen Entscheid vom vergangenen Herbst. Dazu mobilisiert Christophe Keckeis derzeit all seine Propagandisten. Diese sollen, verlangt er, die "Situation klären", bis die "Zustimmung der Eidgenössischen Räte erhalten werden" könne.

Christophe Keckeis will offensichtlich mit dem Kopf durch die Wand. Sein Ziel, endlich eine international einsetzbare Elite-Kampftruppe zu bekommen, will er gegen alle Widerstände, offensichtlich auch gegen das Parlament durchsetzen.

Damit steht die Schweiz und ihre Armee an einem Wendepunkt: Setzt sich Christophe Keckeis gegen das Parlament durch, dann reitet er unsere Armee in den Abgrund. Wer dies verhindern will, muss den Chef der Armee auswechseln - so rasch als möglich.

Ulrich Schlüer

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