Nr. 01, 16. Januar 2004

Kanton St. Gallen bewirkt Änderung
Fahrprüfung nur noch in Landessprachen

Bis vor kurzem konnte im Kanton St. Gallen die Fahrprüfung in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Türkisch, Albanisch, Serbokroatisch und Englisch absolviert werden.

Manchem Steuerzahler ist dieses reiche, finanziell aufwendige Sprach-Angebot an Fahrschüler schon sauer aufgestossen. Dies bewog die CVP-Kantonsrätin Barbara Keller aus Jona zum Handeln. Mit einem Postulat verlangte sie, Fahrprüfungen dürften im Kanton St. Gallen künftig nur noch in den vier
Landessprachen angeboten werden. Wer, so begründete die Postulantin, Auto fahren wolle, solle im deutschsprachigen Teil der Schweiz Deutsch lernen und verstehen.

Der St. Galler Kantonsrat hat das Postulat von Barbara Keller vor Jahresfrist mit grosser Mehrheit gutgeheissen. Nun löst es auch auf eidgenössischer Ebene umfassende Diskussionen aus. In Bern scheinen nicht nur die finanziellen Aspekte der Neuerung zu beeindrucken. Die St. Galler Neuerung habe auch grossen pädagogischen Wert: Wer in der Schweiz ein Auto steuern wolle, müsse, um sich verkehrsgerecht verhalten zu können, zumindest die im eigenen Landesteil gebräuchliche Sprache verstehen. Deshalb sei es, scheint sich in Bern als Standpunkt durchzusetzen, in jedem Fall richtig,
Fahrzeugprüfungen künftig nur noch in den vier Landessprachen anzubieten.

Ein «neues Denken», das vor den letztjährigen National- und Bundesratswahlen kaum vorstellbar gewesen wäre.


Ulrich Schlüer